UTML 2017 – Mein längster Lauf

Der Ultratrail im (Luxemburg) fand dieses Jahr zum zweiten Mal unter dem Namen Leopard UTML statt. Da ich grosse Teile des Müllerthals bereits gut kannte (durch diverse Wanderungen und Trailruns), war der eigentlich Pflicht. Einzig die Distanzen der diversen Strecken schreckten mich etwas ab: 18km Shorty-, 38km , 75km Long-, und der wahnwitzige 112km Ultra-. Da der Shorty nicht wie die anderen Strecken in Echternach, sondern auf der Heringermillen startete, entschloss ich mich dann doch mich zum 38km anzumelden.

Der bekannte Müllerthal Trail umfasst insgesamt drei Wanderrouten von knapp 38km, sowie diverse kleine Extra Touren. Beim 38km Trail des UMTL handelt es sich um die Route 2, welche an zahlreichen typischen Sehenswürdigkeiten vorbei führt, wie etwa der Wolfsschlucht, am Perekop, der Huel Lee, dem Schiessentümpel, sowie den spektakulären Felsspalten Kohlscheuer.

Der Start erfolgte am vergangenen Samstag um 10:00 Uhr in Echternach. Da waren die Ultraläufer schon fast 10 Stunden unterwegs. Ich parkte mein Auto direkt hinter der Basilika, unweit des Start/Ziel Bereichs. Doof nur, wenn die maximale Parkzeit lediglich bis knapp nach 15 Uhr reicht. Das würde ganz schön knapp werden, wenn ich meine Zielzeit von 5 Stunden einhalten sollte. Aber egal, die werden heute wohl nicht so streng sein mit dem Prüfen der Parktickets :)

Vom Start weg sollten auf den ersten Kilometern gleich 150 Hm überwunden werden. Bis Kilometer 18 lief es dann auch richtig rund. Vorbei an den berühmt Felsenformationen des Müllerthals, über unzählige Fels-Treppenstufen und kleine Holzbrücken, auf Singletrails, oder auch mal ganz spektakulär quer durch den Felsen hindurch, so dass man in der engen Schlucht eine Taschenlampe benötigt hat. Doch dann kam der Einbruch. Ich war ausgelaugt und ich wollte nur noch gehen. Laufen war allenfalls kurz an den Abstiegen möglich. Die anderthalb Energieriegel welche ich bis dahin verzehrt hatte, wirkten wohl nicht so recht.

Am Verpflegungsstand bei Kilometer 21 in Heringermillen dann die Fressattacke. Ich verschlang mehrere Butterbrote, Wurst, einen Becher Suppe, und Mineralwasser. Ich musste mich irgendwann zwingen aufzuhören und weiter laufen. Aber nach kurzer Zeit war mir dann auch schon kotzübel. Es sollte ein recht langer Anstieg vom Ort Müllerthal bis nach Berdorf folgen, den ich fast durchweg nur gegangen bin. Beim Laufen stand mir gleich der Mageninhalt im Hals. Ich schleppte mich also hoch bis nach Berdorf und quatschte unterwegs noch kurz mit einem Ultraläufer der mittlerweile schon mehr als 14 Stunden unterwegs war, und trotzdem noch fitter schien als ich.

In Berdorf wartete der letzte Verpflegungsstand ehe es dann fast durchweg nur noch bergab bis nach Echternach ging. Den Kick für die letzten 8km gab mir ein Becher Iso und Cola. Und dann lief es wieder! Der Magen hatte sich beruhigt und die Beine flogen wieder über den Trail. Diesen Teil der Strecke kannte ich zudem sehr gut. Ich konnte den Trail endlich wieder genießen, und überholte auch noch den einen oder anderen Läufer.

Knapp 2km vor dem Ziel spuckte der Trail uns am Aussichtspunkt Troosknäppchen aus, von wo aus man einen herrlichen Blick über Echternach genießen konnte, und das Ziel direkt vor der Nase lag. Der steile Downhill bis nach Echternach hinunter verlangte nochmal höchste Konzentration. Mittlerweile zeigte die Sonne sich auch endlich, und ich genoss die letzten Meter an der Sauer entlang, an der Basilika vorbei, bis ins Ziel. Die 38km und 1.100 Hm bezwang ich schlussendlich in 5:33:36. Mein bisher längster Lauf überhaupt!

Toll war übrigens, dass mein Arbeitskollege mal eben eineinhalb Stunden auf mich im Zielbereich gewartet hat, und wir so noch gemeinsam mit Frazer (2. platzierter beim 38km Trail) und Tom (1. platzierter beim 75km Long-Trail) ein Bierchen auf der Terrasse eines Bistros kurz vor der Zielgeraden, genießen konnten.

Fazit

Der UTML ist ein waschechter Traillauf! Landschaftlich spektakulär, nie langweilig, viel Abwechslung, und nur sehr wenige Abschnitte über Asphalt. Es war ein wahrer Genuss den Trail zu laufen … mal abgesehen von meinem Einbruch zwischendurch. Sollte ich nächstes Jahr wieder dabei sein, so werde ich mich sicherlich besser vorbereiten. Im Training müssen mehr längere Läufe eingebunden werden, und die Selbstverpflegung muss auch überdacht werden.
Es war mein erster Lauf über eine solche Distanz. Hinzu kommen nicht zu unterschätzende 1.100 Höhenmeter und ein sehr schwieriges Gelände. In der Nacht zuvor hatte es kräftig geregnet, so dass über die gesamte Strecke höchste Konzentration gefordert war.

Die Organisation am Tag selbst war toll. Sehr gute Streckenkennzeichnung, und ausreichend Verpflegung unterwegs. Die Kommunikation im Vorfeld war allerdings etwas dürftig. Einzig über die Facebook Seite des UTML wurden aktuelle Informationen mitgeteilt. Ich hätte mir zumindest noch Mitteilungen per Email und über die offizielle Internetseite des UTML gewünscht. Es gab auch einige widersprüchliche Angaben, wie etwa das Zeitlimit. Unter UTML.lu wurden 22 Stunden genannt (entspräche 22:05 obwohl es im gleichen Abschnitt 21:55 Uhr heißt), im Reglement hingegen waren 21 Stunden und 25 Minuten angegeben (was genau 21:30 Uhr entspräche). Sehr bitter war diese Verwirrung für einen Ultra-Läufer der um 21:43 Uhr eintraf, und leider niemanden mehr von der Organisation vorfand. Auch im Schlussklassement wurde er als DNF gelistet. Da muss definitiv nachgebessert werden.

Unterm Strich war der UTML aber ein ganz tolles Event, was ich jedem Trailrunner nur wärmstens empfehlen kann!

Kategorien: Running & Trailrunning

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5 Kommentare

  1. Hallo Sven,

    Glückwunsch zum Finish! Ich war im letzten Jahr bei der Premiere ebenfalls auf der mittleren Strecke unterwegs, allerdings flog ich da als inoffizieller Teilnehmer bzw. Pacer unterm Radar :)

    Das Müllerthal ist mehr als genial um dort einen Tag im Freien zu genießen!

    Gruß
    Sascha

  2. Glückwunsch zum Finish Sven!

    Für diese Distanzen musst du dir wohl noch ein kleine Essstrategie basteln, dann läuft es das nächste Mal noch besser.
    Ich persönlich habe schon viel ausprobiert und bin momentan an den Smoothies von PowerBar hängengeblieben. Die gehen super runter, liegen nicht schwer im Magen und geben die nötige Power. Klar könnte man noch mehr Kalorien zu sich nehmen, aber für mich ist das ausreichend. Der Rest wird mit Iso und Co. an den VP’s halbwegs weggemacht.

    Erhol dich gut und viel Erfolg bei den nächsten Events…
    …irgendwann muss ich auch mal bei euch in der Ecke laufen

    Viele Grüße

    Steve

  3. Danke für die Glückwünsche :)

    Beim nächsten längeren Trail werde ich sicherlich einiges anders machen damit ich entspannter ans Ziel komme.

    @Steve Wenn dein Knie wieder mit macht, kannst du gerne vorbei kommen ;)

  4. Hi Sven, echt cooles Event! Wir starten mit unseren Teilnehmern immer als Gruppe beim Gelita Trailmarathon in Heidelberg, gibt es diese Option in Luxemberg auch? Oder sind die 18km wirklich die kleinste Strecke? Fast 40km durch 4 wäre dann nämlich auch für normale Menschen möglich :D und man könnte sich überlegen ein Event draus zu machen.

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