Im Gegensatz zu meiner Frau, die nahezu ausschließlich in Barfußschuhen unterwegs ist, greife ich selbst normalerweise lieber zu Schuhen mit spürbarer Dämpfung und klassischer Sprengung. Als Vivobarefoot mir jedoch anbot, den Primus Trail Flow Mid zu testen, sah ich darin die perfekte Gelegenheit, mich intensiver mit dem Thema Barfußschuhe auseinanderzusetzen und dieses besondere Tragegefühl selbst zu erleben.
Doch worin unterscheiden sich Barfußschuhe eigentlich von herkömmlichen Modellen?
Typisch ist die sogenannte Nullsprengung, bei der Ferse und Vorfuß auf gleicher Höhe liegen und der Fuß somit flach und natürlich steht. Hinzu kommt eine breite Zehenbox, die sich an der natürlichen Fußform orientiert und den Zehen ausreichend Platz lässt, anstatt sie einzuengen. Die sehr dünne und flexible Sohle ermöglicht es, den Untergrund deutlich wahrzunehmen und aktiviert gleichzeitig die Fußmuskulatur. Auf klassische Dämpfung wird weitgehend verzichtet, wodurch Gleichgewicht, Haltung und Bewegungsabläufe geschult und eine natürliche Gangart gefördert werden.
Der Vivobarefoot Primus Trail Flow Mid
Der Vivobarefoot Primus Trail Flow Mid richtet sich genau an Menschen, die sich draußen möglichst frei und naturnah bewegen möchten und dabei großen Wert auf direkten Bodenkontakt legen. Bereits beim ersten Anziehen fällt das extrem leichte und flexible Design auf, das den Fuß kaum einschränkt und ein sehr unmittelbares Laufgefühl vermittelt. Unebenheiten, Steine und Wurzeln sind durch die dünne Sohle deutlich spürbar – ein Umstand, an den man sich als klassischer „Normal-Schuh-Träger“ zunächst gewöhnen muss.
Das Obermaterial besteht überwiegend aus recycelten, veganen Materialien und fühlt sich angenehm atmungsaktiv an. Der mittelhohe Schaft hält Schmutz, Sand und kleine Steinchen zuverlässig fern, verzichtet jedoch bewusst auf eine feste Knöchelstabilisierung, wie man sie von klassischen Wanderstiefeln kennt. Stattdessen bleibt der Fuß beweglich und kann sich dem Untergrund natürlich anpassen. Die Trail-Flow-Sohle bietet vor allem auf trockenen Wegen, Waldböden sowie leichten bis mittelschweren Trails guten Grip und vermittelt auch auf feuchtem Untergrund ausreichend Sicherheit.
Beim Thema Schutz wird der konsequent minimalistische Ansatz allerdings deutlich. Ohne Rockplate oder dicke Zwischensohle machen sich scharfe Steine und harte Passagen bemerkbar, was auf längeren oder sehr technischen Touren ermüdend sein kann. Zudem ist der Schuh lediglich wasserabweisend, nicht jedoch wasserdicht, sodass bei Regen oder beim Durchqueren von Pfützen relativ schnell Feuchtigkeit eindringt. Auch bei der Passform empfiehlt es sich, den Größenratgeber zu konsultieren, da der Schuh etwas größer ausfällt. Während ich im Alltag meist Größe 44½ und bei Laufschuhen eher 45 trage, habe ich den Primus Trail Flow Mid in Größe 44 getestet, der sich dennoch leicht zu groß anfühlt.
Fazit
Unterm Strich ist der Vivobarefoot Primus Trail Flow Mid ein sehr gelungener Barfußschuh für alle, die bewusst auf Dämpfung verzichten möchten und ein intensives Natur- und Bodengefühl suchen. Besonders geeignet ist er für schnelle Wanderungen, leichte Trail-Abenteuer und Fastpacking mit minimalem Gepäck. Wer hingegen viel Schutz, ausgeprägte Stabilität oder absolute Wasserdichtigkeit erwartet, dürfte mit einem klassischeren Wanderstiefel besser beraten sein. Die unverbindliche Preisempfehlung von 190 Euro wirkt für einen derart minimalistischen Schuh allerdings recht ambitioniert.
Hinweis
Der Vivobarefoot Primus Trail Flow Mid wurde mir freundlicherweise vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt.










