13,9 Kilometer, 1.351 Höhenmeter und fast fünf Stunden unterwegs – der Picos do Curral ist einer dieser Trails auf Madeira, bei denen man sich zwischendurch fragt, ob man noch auf einem offiziellen Wanderweg läuft oder gerade seinen eigenen sucht.
Wer als Trailrunner Madeira besucht, sollte diese Tour zumindest auf dem Zettel haben. Sie führt durch die spektakuläre Bergwelt rund um Curral das Freiras hinauf zum Pico Ruivo, dem mit 1.862 Metern höchsten Berg Madeiras.
Allerdings ist die Strecke nicht ohne.
Die Tour auf einen Blick
Distanz: 13,9 km
Höhenmeter: +1.351 Hm
Höchster Punkt: 1.867,6 m
Gesamtzeit: 4:46 h
Start/Ziel: Fajã dos Cardos
Schwierigkeit: anspruchsvoll bis sehr anspruchsvoll
GPS-Track
Meine tatsächlich gelaufene Runde inklusive Pico Ruivo und Rückweg.
Start im Tal der Nonnen
Start und Ziel liegen in Fajã dos Cardos, einer kleinen Siedlung oberhalb von Curral das Freiras, dem berühmten Tal der Nonnen.
Im Vergleich zu den bekannten PR-Wanderwegen ist es hier angenehm ruhig. Während sich an den beliebten Ausgangspunkten die Mietwagen stapeln, bin ich hier praktisch alleine.
Am Start steht ein kleines Schild mit dem Hinweis auf den Picos do Curral.
Und dann?
Keine weitere Beschilderung.
Die ersten 3,5 Kilometer sind Abenteuer
Die ersten Kilometer haben es ordentlich in sich. Der Weg ist teilweise kaum erkennbar, Markierungen fehlen weitgehend und immer wieder versperren Brombeersträucher den Weg.
Die größte Herausforderung ist deshalb nicht einmal der Anstieg, sondern die Orientierung.
Wo geht es hier weiter?
Besonders die letzten rund 500 Meter, bevor ich auf den Vereda da Encumeada treffe, sind abenteuerlich. Teilweise ist überhaupt kein Weg mehr zu erkennen. Hier bleibt mir nichts anderes übrig, als mich querfeldein den Hang hinaufzuarbeiten und einige Passagen regelrecht hochzuklettern.
Für erfahrene Trailrunner macht genau das vielleicht den Reiz aus. Für weniger geübte Läufer kann dieser Abschnitt allerdings schnell unangenehm oder sogar gefährlich werden.
Das Höhenprofil
Höhenprofil meiner Garmin-Aufzeichnung. Die ersten Kilometer sind besonders steil.
Plötzlich wird aus dem Abenteuer ein Trail
Nach dem schwierigen ersten Abschnitt erreiche ich den Vereda da Encumeada – und plötzlich ist alles anders.
Aus dem kaum erkennbaren Pfad wird ein gut ausgebauter Bergweg. Teilweise ist der Weg gepflastert, Treppen führen durch die Felsen und die Orientierung ist nun kein Problem mehr.
Der weitere Verlauf führt über das offizielle PR-Wegenetz in Richtung Pico Ruivo.
Nach den ersten Kilometern fühlt sich das fast wie eine Autobahn an.
Zumindest nach Madeira-Maßstäben.
Kilometerweit alleine unterwegs
Was mich an der Tour besonders beeindruckt, ist die Einsamkeit.
Bis etwa 300 Meter vor dem Pico Ruivo treffe ich praktisch niemanden. Ich überhole niemanden und mir kommt auch niemand entgegen.
Für Madeira ist das bemerkenswert.
Die Ruhe ermöglicht mir sogar, zwischendurch meine DJI Neo* auszupacken und einige Aufnahmen zu machen. Die notwendige Genehmigung für den Drohnenflug hatte ich vorher eingeholt.
Pico Ruivo: plötzlich wird es voll
Je näher ich dem Pico Ruivo komme, desto mehr Menschen tauchen auf. Hier treffen mehrere Wanderwege zusammen, unter anderem der bekannte PR 1 vom Pico do Areeiro.
Nach mehreren Kilometern völliger Einsamkeit ist der Unterschied gewaltig.
Und die Belohnung?
Nun ja.
Wolken. Jede Menge Wolken.
Vom großen Gipfelpanorama ist bei meinem Besuch leider nicht viel zu sehen.
Über den PR 1.3 zurück
Vom Pico Ruivo geht es anschließend über den PR 1.3 und den weiteren Rückweg wieder Richtung Fajã dos Cardos.
Auch wenn der Weg jetzt deutlich angenehmer ist, warten natürlich noch einige knackige Gegenanstiege.
Am Ende zeigt meine Garmin:
13,90 km und 1.351 Höhenmeter.
Nach knapp fünf Stunden ist die Runde geschafft.
Fazit
Der Picos do Curral ist ein großartiger Trail für erfahrene Läufer, die Madeira abseits der großen Touristenströme erleben möchten.
Die ersten 3,5 Kilometer sollte man allerdings ernst nehmen. Der Weg ist schlecht markiert, teilweise überwuchert und an einigen Stellen nur schwer zu finden. Trittsicherheit, Erfahrung und eine gute Orientierung sind hier Pflicht.
Danach wird die Tour deutlich entspannter und führt über gut ausgebaute Wege bis zum Pico Ruivo.
Meine Empfehlung: Wer es etwas entspannter angehen möchte, sollte den schwierigen ersten Abschnitt einfach auslassen und den gut ausgebauten zweiten Teil hin und zurück laufen. Das sind zwar ein paar Kilometer mehr, dafür hat man einen klar erkennbaren Weg unter den Füßen und muss sich nicht durch Brombeeren und wegloses Gelände kämpfen.
Ich persönlich hasse es allerdings, denselben Weg zweimal zu laufen – und würde deshalb wieder die komplette Runde nehmen.
Denn genau das macht für mich den Reiz aus:
Manchmal besteht die eigentliche Herausforderung beim Picos do Curral nicht darin, den Trail zu laufen – sondern ihn überhaupt zu finden.
GPS-Track
Die vollständige Aufzeichnung meiner Tour findest du auf Strava, Garmin Connect und Komoot.
Stand der Tour: August 2026.




















