Tipps zur Fotografie auf Wintertouren

Dies ist ein von Martin Hülle, der sonst in seinem Blog über berichtet, und Redakteur des Online-Reisemagazins StadtLandFlucht ist.

Die Temperaturen fallen, Schnee liegt in der Luft. Passend zum kalendarischen Winteranfang, der nur noch wenige Tage entfernt ist, hat das Wetter ein Einsehen. Das triste verregnete „Novemberwetter“ weicht endlich knackig-kalten Tagen, die auch die Hoffnung auf weiße Weihnachten schüren. Vielen wird dabei richtig warm ums Herz, wenn sie an bevorstehende Touren in die verschneite Winterwunderwelt denken. Wer den funkelnden Schnee, Nordlichter am Nachthimmel oder die Freunde bei einer Schneeschuhwanderung fotografieren möchte, der sollte sich allerdings ein paar Gedanken dazu machen, welche Auswirkungen die eisigen Temperaturen auf die Fotoausrüstung haben können.

Martin Hülle

Ein Rückblick: In den ersten Jahren des noch immer jungen dritten Jahrtausends, nahm ich auf Wintertouren noch immer eine rein mechanische und natürlich analoge mit. Nur der eingebaute Belichtungsmesser benötigte eine kleine Batterie – zur Not hätte alles auch ohne funktioniert. Scharfstellung, Auslösung, Filmtransport. Ich hatte die Befürchtung, dass eine mit Elektronik voll gestopfte Temperaturen jenseits der minus 20 Grad nicht verkraften würde. Später steckte ich anstelle der altertümlichen Nikon FM2 eine zwar immer noch analoge, nun aber immerhin schon mit batterieabhängiger Technik ausgestattete F100 ins Gepäck. Auf einer Skitour über die norwegische Hardangervidda bewährte sich die auch bei bitterkalten Minusgraden. Lithium-Batterien hielten den Fotoapparat bei Laune und auch die Elektronik machte keine Mucken. Als ich dann im Frühjahr 2006 zu meiner ersten Grönland Expedition aufbrach, bei der ein Online-Tagebuch direkt vom Inlandeis mit digitalen Bildern gefüttert werden sollte, war es an der Zeit endgültig alle Bedenken über Bord zu werfen und mit High-Tech durch und durch in den Kampf zu ziehen. Wochenlange Minusgrade, Schneefall, Sturm. Dazu die Notwendigkeit, Batterien und Akkus über ein Solar Panel wieder aufladen zu müssen. Wie bedenkenlos verrichtete noch die alte Mechanikkamera ihren Dienst. Die Vorzüge des moderneren Geräts, seiner besseren Ausstattung und der digitalen Bilder, lag jedoch auf der Hand.

Mittlerweile hat sich gezeigt, dass auch modernste digitale Kameras selbst extreme Bedingungen schadlos überstehen und hervorragende Bildergebnisse liefern. Und auch zu Zeiten der Mechanik war es ja nicht so, als hätte man einfach drauflos fotografieren können, ohne einige Dinge zu beachten. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sich bei dem Versuch einer Winterüberquerung des Jostedalsbreen in Norwegen Mitte der Neunziger Jahre, Kondensfeuchtigkeit zwischen den Linsen im Objektiv festgesetzt hatte. Unachtsamkeit war schuld daran und es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis wieder klare Sicht herrschte und ich weiter fotografieren konnte.

Martin Hülle

Um ein ungetrübtes Fotografieerlebnis selbst bei wochenlangen Skitouren in abgeschiedener Winterlandschaft und bei Temperaturen weit unterhalb des Gefrierpunktes zu gewährleisten, sollten die nachfolgenden Tipps beherzigt werden. Damit alle Wintererlebnisse ohne Ausfälle auf den Chip gebannt werden können.

Die Energieversorgung

Die Akkus von DSLR-Kameras spenden selbst bei hohen Minusgraden erstaunlich viel Energie. Natürlich sind sie schneller erschöpft, als bei sommerlichen Temperaturen. Kompaktkameras mit ihren kleineren Akkus leiden stärker unter dem Einfluss der Kälte. Den Tipp, den Akku heraus zu nehmen, in der Hosentasche warm zu halten und erst bei Bedarf in die Kamera zu stecken, kann man getrost vergessen. Wer will schon die Handschuhe ablegen und mit zunehmend steifer werdenden Fingern den Akkufachdeckel öffnen, um den warmen Akku einzulegen? Das macht man nur, wenn es unbedingt sein muss, aber nicht für jedes Foto. Der eingelegte Akku wird also unter der Kälte leiden. Bei den Ersatzakkus macht es allerdings Sinn, diese an einem warmen Ort (Hosentasche, Innentasche der Jacke) zu verstauen, um ihr Potenzial bis zum Einsatz in der Kamera auf hohem Niveau zu halten.

Mehr Leistung gegenüber den Standard-Kameraakkus bieten meiner Erfahrung nach AA Lithium-Batterien bzw. die hervorragenden Sanyo eneloop Akkus. Wer die Möglichkeit hat, sollte an seiner DSLR einen Hochformatgriff nutzen, der den Einsatz von AA Batterien und Akkus zulässt. Auch wenn dadurch das Gewicht der Kamera steigt, es sind einfach erheblich mehr Auslösungen pro Ladung möglich.

Martin Hülle

Ist man viele Tage oder gar mehrere Wochen unterwegs, ohne Zugriff auf Steckdosen und die einfache Möglichkeit die Akkus wieder aufladen zu können, muss man entweder eine ausreichende Menge an Akkus bzw. Batterien mitnehmen, oder auf andere Art und Weise den Akkus neues Leben einhauchen. Bewährt hat sich die Kraft der Sonne. Mit leistungsstarken Solar Panels (z.B. von Off-Grid-Systems) ist man autark. Dabei lädt das Solar Panel die Kameraakkus nicht direkt, sondern es speist eine Art „Zwischenakku“, mit dem nachfolgend dann ein Ladegerät betrieben werden kann (z.B. ein Digi Charger von Annsmann). Auf dem Wege können nahezu alle handelsüblichen Spezialakkus und AA/AAA Akkus aufgeladen werden.

Klar ist natürlich, dass unnötige Energieverschwendung beim Fotografieren vermieden werden sollte. Vor allem der interne Blitz oder die Bildkontrolle auf dem Kameramonitor gilt als Stromfresser. Wird es eng mit der Energieversorgung, spart auch das Abschalten des Autofokus ein paar Körner.

Das Kondensproblem

Dramatischer als ein leerer Akku kann sich das Aufwärmen der Kamera gestalten. Nach einem längeren Einsatz in der Kälte ist besondere Vorsicht geboten. Betritt man mit der kalten Kamera einen wärmeren Ort – dabei ist es gleichgültig, ob es sich um eine beheizte Berghütte oder auch nur um ein etwas weniger kaltes Zeltinnere handelt -, dann kondensiert die Luftfeuchtigkeit aus der wärmeren Umgebungsluft an der Kamera und am Objektiv. Für den, der gerne mit Weichzeichner fotografiert, ist ein Schleier auf der Linse vielleicht willkommen, für alle anderen ein Ärgernis, das weitere fotografische Ambitionen vorübergehend auf Eis legt. Vom Gehäuse lässt sich Feuchtigkeit noch gut abwischen. Ein beschlagenes Objektiv ist schon schwieriger davon zu befreien. Am besten legt man die Kamera zur Seite und wartet, bis wieder klarer Durchblick herrscht. Wegwischen mit Synthetiktüchern führt oft zu Schlieren. Besser ist ein Baumwolllappen (wie auch bei Regentropfen). Ist es sehr kalt, gefriert das kondensierte Wasser als Eispanzer an der Kamera und auf den Linsen.

Richtig unangenehm wird es, wenn kondensierendes Wasser in die Kamera oder in das Objektiv eindringt. Besonders bei Zoomobjektiven ist nach einem Temperaturwechsel Vorsicht geboten, da durch das Zoomen wärmere Luft ins Objektivinnere gepumpt werden kann.

Martin Hülle

Behutsames Aufwärmen der Fotoausrüstung ist also sehr wichtig. Dabei ist es hilfreich, Kamera samt Objektiv vor dem Betreten eines wärmeren Raumes in ein geschlossenes Behältnis zu stecken. Eine Plastiktüte ist dafür schon ausreichend. Die wärmere Luft kondensiert dann außen an der Tüte und nicht an der Kamera. Diese sollte danach aber weiterhin langsam und noch immer verschlossen aufgewärmt werden. Steckt die Ausrüstung in einer gut gepolsterten Fototasche, so muss man bedenken, dass die Tasche hervorragend isoliert und auch nach langer Zeit in der warmen Stube Kamera und Objektive darin noch immer saukalt sein können! Also: Ein langsames Schritt für Schritt Aufwärmen ist nötig.

Einen Vorteil hat die Kälte jedoch: Der Sensor wird gekühlt, wodurch sich das Bildrauschen reduziert.

Die Belichtung

Aber nicht nur die Kälte fordert den Fotografen heraus. Eine Winterlandschaft korrekt belichtet zu verewigen, ist schwieriger als Palmen am Strand aufzunehmen. Bei älteren Kameras, die noch nicht über solch ausgeklügelte Belichtungsmesssysteme verfügten, wie es bei den heutigen Modellen der Fall ist, gestaltete sich die Belichtungseinstellung bei einer monochromen Schneelandschaft häufig sehr schwierig. Eine Belichtungsreihe war oftmals letzte Hilfe. Eine bietet den großen Vorteil, immer direkt auf dem Monitor kontrollieren zu können, ob die Belichtung stimmt. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Belichtungsmessung bei Sonnenschein und blauem Himmel sehr treffsicher arbeitet. Bei trüber Wetterlage hingegen ist meistens eine Korrektur nötig. Die Kamera tendiert dann zu einer zu knappen Belichtung, die über die Belichtungskorrektur schon bei der Aufnahme korrigiert werden sollte. Einen Standardwert gibt es aber auch hier nicht. Meist liegt die optimale Korrektur jedoch bei etwa +1.

Martin Hülle

Hinzu kommt, dass die Aufnahmen bei schlechter Wetterlage fast immer sehr kontrastarm aufgezeichnet werden. Hier gilt es, dem schon über die Kontrasteinstellungen in der Kamera entgegen zu wirken (was dann aber heißen würde, je nach Aufnahmesituation die Einstellungen verändern zu müssen), oder die Kontrastoptimierungen nachträglich im Bildbearbeitungsprogramm vorzunehmen. Hier empfiehlt es sich besonders im RAW-Format zu fotografieren. Nur so stehen die umfangreichsten Möglichkeiten für die Nachbearbeitung zur Verfügung, ohne Verluste in der Bildqualität hinnehmen zu müssen.

Eine Wintertour stellt in nahezu allen Bereichen höhere Anforderungen als eine Sommerunternehmung – die Fotografie ist dabei keine Ausnahme. Wie löst Ihr das Kälteproblem im Winter? Welche Erfahrungen habt Ihr schon gemacht?

Über den Autor

Martin Hülle ist Fotograf, Autor und leidenschaftlicher Eiswanderer. Wochenlange Skitouren führten ihn durch viele Regionen Skandinaviens. Nach Gletschertouren in Norwegen und auf Island hat er darüber hinaus bereits zweimal das grönländische Inlandeis von Ost nach West überquert. In seinem Blog berichtet er über die Fotografie, das Reisen und Expeditionen. Zudem ist Martin Hülle Redakteur des Online-Reisemagazins StadtLandFlucht.

Kategorien: Tipps & Tricks

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20 Kommentare

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  4. Klasse, danke für die Tipps! Vor allem der mit dem Aufwärmen in der Plastiktüte ist klasse, den merk ich mir.

    Ich selbst bin schon im Herbst die reinste Frostbeule und war dementsprechend außer im Skiurlaub noch nie länger draußen zum Fotografieren. Nein, nix faul. Nur werde ich mit überproportionaler Wahrscheinlichkeit zu einer Eissäule erstarren, sowie ich den Fuß vor die Tür setze ;)

  5. Vielen Dank fuer den Artikel. Werde ich im Februar auf meiner Tour auf jedenfall beherzigen. Vor allem der Akku und dem Kondenswasser. Kannst du eine ungefaehre Prozentzahl nennen um wie viel die Akkus im Durchschnitt verlieren?

  6. @Steffen
    Mmh, ne, das weiß ich leider nicht, um wie viel die Akkus in etwa an Leistung verlieren. Hängt natürlich auch stark von den Temperaturen und vor allem auch der Nutzung der Kamera ab (ob viel oder wenig Autofokus, ob Du den Monitor viel nutzt, usw.). Eigentlich hilft es nur, auf der sicheren Seite zu sein und genügend Akkus mit dabei zu haben …

    Aber vielleicht hat das ja auch mal jemand genau ausgetestet?

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  11. Danke für den tollen Artikel, super hilfreich! Und das erste Foto ist echt super. Gefällt mir gut.

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  13. Hallo,
    danke für den lesenswerten Artikel. Ich habe eine Kompakt-Kamera und brauche immer 4 AA-Batterien und bei diesen derzeitigen Minusgraden in Rostock bin ich maximum 1-2 h zum Knirpsen am Strand gewesen. Natürlich musste ich auch schon draussen die Batterien wechseln, aber wie du schon sagtest, immer wieder herausnehmen, ist doch sehr ärgerlich.

    Daher einmal einlegen und wenns nicht weiter geht, Ersatz rein und so weiter und so fort. Die Tipps wegen dem Kondenswasser sind auch sehr begrüsst. Zwecksdessen lasse ich die Kamera in dem Softcase im kühlen Flurraum eine Stunde lang liegen. Dann hol ich sie mir ins warme Arbeitszimmer vor.

    Das mit der Belichtungszeit und Co. lerne ich gerade noch.

  14. Super, danke für die Winter-Tipps! Das merk ich mir jetzt bis in ein paar Monaten, wenn´s wieder in den Schnee geht : )

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